Montag, 9. November 2026, 18:15 Uhr: Führung
Fantastische Karten zu legendären Geschichten
Zentralbibliothek Zürich, Schatzkammer und Themenraum Turicensia
Um Anmeldung wird gebeten bis zum 2. November an Jochen Hesse, Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich, jochen.hesse@zb.uzh.ch, 044 636 41 22.
Die Teilnahme an der Führung ist auf 15 Personen beschränkt. Besammlung im Bibliothekshof vor der Schatzkammer.
Karten beschreiben nicht nur die Welt, in der wir leben. Sie ermöglichen es uns auch, Welten zu erschaffen, die es real nie gegeben hat. Seit Jahrhunderten sind Karten ein wirkungsvolles Mittel, um Konzepte zu erläutern, Ideen zu verbreiten und letztlich: um Geschichten zu erzählen. In der Ausstellung sind dazu Raritäten aus Literatur und Film zu sehen.
Die Ausstellung orientiert sich an einem von J. R. R. Tolkien geprägten Konzept: dem Bild eines «Cauldron of Story» bzw. «Geschichtenkessels». Fiktionale Erzählungen – und mit ihnen auch ihre Karten – entstehen demnach aus einem fortwährenden Prozess des Vermischens, Überlagerns und Neuinterpretierens. Mythen, Märchen, Sagen sowie literarische Traditionen unterschiedlichster Epochen bilden die «Zutaten» in diesem Kessel. Autorinnen und Autoren schöpfen daraus, transformieren bestehende Motive und führen sie in neuen Kontexten weiter.
Die Ausstellung macht sichtbar, welche Werke und Einflüsse in diesen kulturellen Prozess eingeflossen sind. Parallel dazu werden in der Raummitte Karten präsentiert, die als historische Referenzen dienten und die Entwicklung fiktionaler Kartografie massgeblich beeinflusst haben. Dazu zählen insbesondere frühneuzeitliche Karten der Schweiz, deren ästhetische und konzeptionelle Elemente spätere literarische Weltentwürfe aufnahmen.
Das Alleinstellungsmerkmal der Ausstellung liegt in der Verbindung zweier herausragender Sammlungen: «Ex Carta» als eine der umfangreichsten Kollektionen zur fiktionalen Kartografie und diejenige der Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich mit ihrer bedeutenden kartografiehistorischen Überlieferung. Am gemeinsamen Dreh- und Angelpunkt – dem Werk Tolkiens und seinem Bezug zur Schweizer Kartografiegeschichte – entsteht ein kuratorisches Konzept, das die Wechselwirkungen zwischen Realität und Fiktion in bislang einzigartiger Weise erfahrbar macht.
Dr. Jost Schmid-Lanter ist Ausstellungskurator und Leiter der Abteilung Karten und Panoramen. Er ist promovierter Historiker, seine Dissertation hat er über den St. Galler Globus als kosmographisches Modell geschrieben.
Robert Louis Stevenson (1850-1894), Treasure Island. London 1883. Ex Carta EC020. Zentralbibliothek Zürich, 3.1.