Montag, 22. Oktober 2018 18:30 Uhr: Vortrag
Dr. Helmuth Meyer, Zürich
Die Henker von Zürich
Auf- und Abstieg des Scharfrichterberufes
Bahnhof Buffet HB Zürich, 1. Stock, Raum Les Trouvailles

Der Beruf des Scharfrichters bildete sich im Spätmittelalter aus und war bis ins 19. Jh. eine wichtige Institution im Dienst der Regierung. Der Scharfrichter war nicht nur für Hinrich­tungen, sondern auch für Folter und Körperstrafen zuständig. Er hatte meist auch das Abdeckerwesen unter sich und betätigte sich oft als Arzt.

Die Scharfrichter galten als "unehrbar" und waren gesellschaftlich isoliert. Heiraten innerhalb von Scharfrichterfamilien waren deshalb die zwangsläufige Regel, so dass sich im schweize­rischen Raum ein Netz von "Scharfrichterdynastien" entwickelte. In Zürich war dies bis Ende des 16. Jh. die Familie Grossholz, danach und bis Anfang des 19. Jh. die Familie Volmar.

Der Ausbruch aus der "Scharfrichterkaste" war schwierig, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Nachkommen von Scharfrichtern gering. Ein Zweig der Familie Volmar, der den Beruf aufgab, änderte deswegen seinen Namen in "Steinfels".

Dr. Helmut Meyer hat soeben zusammen mit Dr. Marc Steinfels das Buch "Vom Scharfrichteramt ins Zürcher Bürgertum - die Familie Volmar-Steinfels und der schweizerische Strafvollzug" veröffentlicht. Von ihm stammen verschiedene Werke zur Reformations- und zur Kirchengeschichte; zuletzt erschien eine Biographie über den Schriftsteller Hans Mühlestein.