Montag, 23. März 2020 18:15 Uhr: Vortrag
Dr. Colette Halter-Pernet, Zürich
Felix Hemmerli (1388-1458)
Kirchenkritik, Adelslob und Bauernschelte – warum Zürichs Gelehrter in Klosterhaft endete.
Lavatersaal, St. Peter-Hofstatt 6, 1. Stock, 8001 Zürich

Der Stadtzürcher Felix Hemmerli studierte Kirchenrecht in Erfurt, doktorierte in Bologna und wirkte als Chorherr und später als Kantor am Grossmünster in Zürich sowie als Propst am St. Ursenstift in Solothurn. Seine Lebensgeschichte ist eng mit den kirchlichen und politischen Ereignissen des 15. Jahrhunderts im Gross­raum der Eidgenossenschaft verknüpft. So nahm er an den Konzilen von Konstanz und Basel teil und erlebte den Alten Zürichkrieg hautnah. Unter seinen Zeitgenossen sticht Hemmerli als Gelehr­ter, als Kirchenmann, als engagierter Adelsfreund und eifriger Autor hervor.

Nach ersten kirchenkritischen Schriften verfasst Hemmerli sein grosses Werk über den Adel, in welchem er diesen als rechtmässige Elite der Gesellschaft lobt, während er die Eidgenossen darin zutiefst beleidigt. Dies führt dazu, dass Hemmerli gesellschaftlich zunehmend ausgegrenzt und schliesslich als unbequemer Zeitgenosse in lebenslangen Gewahrsam genommen wird.

Felix Hemmerli nach einem Holzschnitt von 1497, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Inc. IV 5, fol. 1r.

Colette Halter-Pernet ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Zürich, wo sie zurzeit das Digitalisierungsprojekt «Die Urkunden und Akten des Klosters und des Oberamts Königsfelden» leitet. Nach ihrer Dissertation über die Rechtsquellen des Klosters Einsiedeln («Hofrechte und Offnungen des Klosters Einsiedelns»), befasste sie sich ab 2013 mit Hemmerlis Leben und Werk und erarbeitete dessen Biographie, die zusammen mit Ausschnitten aus seinen Schriften 2017 erschienen ist («Felix Hemmerli, Zürichs streitbarer Gelehrter im Spätmittelalter. Mit Übersetzungen aus dem Lateinischen von Helena Müller und Erika Egner Eid»).