Montag, 17. Februar 2014 18:30 Uhr: Vortrag
Lic. phil. Petra Ohnsorg, Zürich
Stadtentwicklung in grossen Schritten.
Erste Erkenntnisse der Grabungen 2013 in Zürichs Fraumünsterquartier
Universität Zürich Zentrum, Kollegiengebäude, Hörsaal KO2-F-150

Seit Januar 2013 führt die Stadtarchäologie Zürich im Rahmen von Werkleitungssanierungen im ganzen Fraumünsterquartier archäologische Grabungen durch. Die untersuchte Zeitspanne reicht von der Frühgeschichte bis ins 19. Jahrhundert, als der mittelalterliche Baubestand vollständig abgebrochen wurde, um dem modernen Fraumünsterquartier Platz zu machen.

Das heutige Fraumünsterquartier liegt auf einem nacheiszeitlichen Sihldelta und war bis ins Frühmittelalter vom See geprägt. Obwohl die erste Nutzung um ca. 600 – 700 n. Chr. zögerlich ausfiel, ist sie von besonderem Interesse, weil sie im Bereich der späteren Fraumünsterabtei liegt. Die Abtei ist spätestens ab der Mitte des 9. Jahrhunderts direkt dem König unterstellt und spielt in Zürichs früher Stadtgeschichte eine zentrale Rolle.

Bereits im Hochmittelalter entsteht weiter südlich der Abtei, in Richtung See, ein neuer Siedlungskern - das sogenannte Kratzquartier. Die laufenden Ausgrabungen bieten einen einmaligen Einblick in die Entstehung dieses neuen Quartiers und seine Entwicklung bis ins 19. Jahrhundert. Sichtbar werden z.B. starke Kontinuitäten, aber auch überraschende Wechsel in der Bebauung oder Unterschiede in der sozialen Stellung zwischen den Krätzlern der ersten und der letzten Stunde.

Auch die Stadtbefestigungen sind spätestens ab dem 11./12. Jahrhundert ein Thema. Bis ins 17. Jahrhundert werden sie mindestens zweimal erneuert und bei dieser Gelegenheit wird auch der Kratz mit massiven Aufschüttungen Richtung See erweitert. Das ausserordentlich breite Spektrum an Funden, v.a. aus den jüngeren Aufschüttungsschichten, erzählt vom Alltag und von den verschiedensten handwerklichen Tätigkeiten im Kratz.

Foto: Stadtarchäologie Zürich, Sepp Mader

Petra Ohnsorg studierte in Basel Ur- und Frühgeschichte, Ethnologie und Nachhaltige Entwicklung . Danach war sie als Archäologin auf verschiedenen Grabungen tätig; 2005 – 2013 war sie Projektleiterin bei der Stadtarchäologie Zürich; seit Mai 2013 Geschäftsführerin bei ProSpect GmbH.