Montag, 19. Januar 2015 18:30 Uhr: Vortrag
Dipl. El.-Ing-ETH und lic. phil. Josef Egger, Zürich
Frühe Computernutzung in der Schweiz (1960–1980)
Die geschickte Verwendung eines neuartigen Werkzeugs zur Bewältigung wichtiger geschäftlicher Probleme
Bahnhof Buffet HB Zürich, 1. Stock, Raum «Norma Lulu»

Die ersten Computer für geschäftliche Anwendungen wurden in der Schweiz Ende der 1950er Jahre beschafft. Zunächst als Ersatz und zur Erweiterung des Anwendungsspektrums der Lochkartenmaschinen eingesetzt, erkannten die Käufer schnell die neuartigen Möglichkeiten der elektronischen Rechner. Diese Anlagen, die ab den 1960er Jahren in Serien gleicher Architektur mit unterschiedlicher Leistung angeboten wurden, werden rückblickend als 'Mainframes'/Grossrechner bezeichnet.

Die Schweizer Neuanwender wussten diese Geräte initiativ und gestalterisch in allen Industriesparten zu gebrauchen, sie waren frühe und entschiedene Nutzer der neuartigen Technik. Sie setzten sie zur Lösung der zentralen geschäftlichen Probleme ein und vermochten so, schwierige Herausforderungen zu meistern.

Von wenigen Rechnern, die anfangs der 1960er Jahre im Einsatz standen, wuchs ihre Zahl in den folgenden zwei Jahrzehnten auf gegen 3'000 an. Im selben Zeitraum hatten sie die Art der Geschäftsführung, 'the way of doing business', radikal verändert. Dies war zwar einer breiten Öffentlichkeit kaum bewusst, die für die Geschäftsleitung Verantwortlichen hingegen wussten um die Notwendigkeit, die neue Technik richtig zu nutzen, auch wenn sie den Geräten und ihren Betreuern eine gewisse Skepsis entgegenbrachten. Diese frühe Computernutzung vermochte das zentrale Problem der beiden Jahrzehnte, den Personalmangel, massgebend zu entschärfen und trug wesentlich zum Wachstum der Volkswirtschaft bei.

Bild: IBM System/360 Modell 40, der in der Schweiz um 1970 wohl am meisten benutzte leistungsfähige Computer.

Josef Egger, dipl. El.-Ing-ETH, war während vieler Jahre in leitender Stellung in den Bereichen Informatik und Telekommunikation tätig. Sein Interesse an Geschichte und Literatur reizte ihn, nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit ein Zusatzstudium an der Philosophischen Fakultät der UZH abzuschliessen.