Mittwoch, 6. Mai 2026, 19:45 Uhr: Vortrag

Dr. Hans-Ulrich Schiedt

Muhende, wiehernde und bellende Moderne. Arbeitstiere im langen 19. Jahrhundert

Lavatersaal im Lavaterhaus, St. Peterhofstatt 6

Arbeitstiere, in unseren Breitengraden sind das Pferde, Esel, Maultiere, Hunde und Rinder, waren im langen 19. Jahrhundert allgegenwärtig. Durch sie und mit ihnen entstanden bestimmte Lebensformen, Wirtschaftsweisen und Raumordnungen. Auf dem Höhepunkt der Nutzung von Arbeitstieren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz rund eine halbe Million Arbeitstiere. Städte wie Zürich oder Winterthur wiesen eine besonders grosse Dichte und Vielfalt von Arbeitstieren auf.

Die Arbeitstiere waren im langen 19. Jahrhundert keine vormodernen Relikte, sondern selbst Akteure und Faktoren in verschiedenen Prozessen der Modernisierung. Dabei blieben die Arbeitstiere und deren Haltung in Zusammenhänge der Landwirtschaft eingebunden, die über die Tierarbeit weit in die anderen gesellschaftlichen Sphären reichte. Die verbreitete Nutzung der Tiere zur Arbeit rückt schliesslich mit dem Eigensinn und der Eigenart der Tiere einen Umstand ins Zentrum, der in den letzten drei Jahrzehnten in den Human-Animal-Studies eine vermehrte Beachtung gefunden hat. Dort wird untersucht, was die mit Tieren arbeitenden Bäuerinnen und Bauern, Fuhrleuten und Kleinhändlern schon lange wussten: Wer mit Tieren eine gute Leistung erreichen wollte, musste sich auf deren Besonderheiten einstellen.

Hans-Ulrich Schiedt, Dr. phil., Historiker, ist Mitarbeiter am Archiv für Agrargeschichte und bei ViaStoria, Stiftung für Verkehrsgeschichte, sowie ehemaliger Mitarbeiter an der Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte der Universität Bern. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Geschichte der Arbeitstiere, Agrar- und Verkehrsgeschichte sowie historische Raum- und Mobilitätsforschung.

Vortrag im Anschluss an die Mitgliederversammlung.
Im Anschluss an Mitgliederversammlung und Vortrag lädt der Vorstand Sie herzlich zum Apéro ein.