Mittwoch, 25. März 2026, 18:30 Uhr: Vortrag

Dr. Claudia Aufdermauer

Vergiftete Schweiz. Eine andere Geschichte der Industrialisierung

Lavatersaal im Lavaterhaus, St. Peterhofstatt 6

Die Geschichte der Industrialisierung wird meist anhand von Pionieren und Unternehmen erzählt. Es ist bekannt, dass Uhren und Textilien zu den Schweizer Exportschlagern des 19. Jahrhunderts gehörten und sich aus der Textilindustrie die Maschinen- sowie die Farben- und die chemische Industrie entwickelten. Aufgrund der Wasserkraft siedelte sich die Industrie bevorzugt an Flüssen an, die neben der Lieferung der benötigten Energie auch zugleich als Transportweg und Abfallgrube dienten.
Erstaunlich wenig wissen wir hingegen darüber, wie sich die industriellen Produktionsweisen vor Ort konkret auf die Menschen und ihre Umwelt ausgewirkt haben. Dabei bemerkten die Menschen bereits im 19. Jahrhundert die Schattenseiten der Industrialisierung: Archivquellen berichten von Vergiftungen und Fabrikabgängen, Fischsterben, Protesten und angestrebten Gesetzesverbesserungen.
Im Referat wird Claudia Aufdermauer anhand ausgewählter Fallbeispiele den «Weg des Giftes» nachzeichnen. Ob Farben, Zündhölzchen oder moderne Industriechemikalien – im Zentrum steht das Kreislaufdenken: Wie gelangten giftige Stoffe in die Fabriken? Welche Auswirkungen hatten sie auf die Arbeiterinnen und Arbeiter? Auf welchen Wegen verliessen giftige Stoffe die Betriebe? Und wie ist die Situation eigentlich heute?

Dr. Claudia Aufdermauer studierte Geschichte und Religionswissenschaften an den Universitäten Fribourg und Bordeaux. Von 2010 bis 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Alfred Escher-Stiftung. Seit der 2016 erfolgten Promotion ist sie als freiberufliche Historikerin tätig. Sie ist Spezialistin für die Schweizer Geschichte des 19. Jahrhunderts (Co-Biografin von Bundesrat Emil Welti, 2020; Vergiftete Schweiz. Eine andere Geschichte der Industrialisierung, 2024).